• Aktuelles
  • by Maria Riedhart-Huter
  • 25. Juni 2024
  • 96

Sommerzeit ist Herpeszeit: Erste Hilfe gegen Fieberblasen und Genitalherpes!

Herpes ist eine weit verbreitete Virusinfektion, die in verschiedene Formen auftreten kann. Die zwei am h√§ufigsten vorkommenden Formen sind Herpes labialis, besser bekannt als ‚ÄěFieberblasen‚Äú und Herpes genitalis. Verursacht werden beide durch das Herpes-simplex-Virus (HSV), das in zwei Typen unterteilt wird: HSV-1 und HSV-2.

Lippenherpes bzw. Fieberblasen

Orale Herpesinfektionen, auch bekannt als Lippenherpes oder Fieberbl√§schen, werden in der Regel durch den Kontakt mit infizierten Bl√§schen oder Speichel √ľbertragen, zum Beispiel durch K√ľssen, Teilen von Besteck, Trinken aus dem gleichen Glas oder sogar durch Ber√ľhrung der betroffenen Stellen und anschlie√üende Ber√ľhrung des eigenen Mundes. Auf diese Weise kann auch durch Oralsex Lippenherpes auf den Intimbereich √ľbertragen werden.

Genitalherpes tritt im Intimbereich von M√§nnern und Frauen auf und wird haupts√§chlich durch sexuellen Kontakt weitergegeben. Die Verwendung eines Kondoms sch√ľtzt vor Ansteckung.

Um die √úbertragung von oralem und genitalen Herpesinfektionen zu verhindern, sollte generell enger¬† Kontakt mit Personen, die Herpessymptome zeigen vermieden werden, weiters ¬†sollten aber auch keine Handt√ľcher, Gl√§ser, Besteck etc. geteilt werden.

Achtung Neugeborene: Lebensgefahr!

Leidet eine werdende Mutter zum Zeitpunkt der Entbindung an einem Genitalherpes muss auf jeden Fall ein Kaiserschnitt durchgef√ľhrt werden. Bei der Geburt w√ľrde sich das Neugeborene mit dem Genitalherpes anstecken und da sein Immunsystem noch inkompetent, also unreif ist, w√ľrde es lebensgef√§hrlich erkranken. Selbst wenn es √ľberlebt, k√∂nnte es bleibende Sch√§den davon tragen. Aus diesem Grund verschreibe ich M√ľttern, die zu Genitalherpes neigen, zwei bis drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ein Herpesmedikament, um in dieser vulnerablen Zeit den Ausbruch des Virus zu vermeiden, damit einer vaginalen Geburt nichts im Wege steht.

Aber auch die ersten zwei Lebenswochen sollen Menschen mit Lippenherpes wom√∂glich keinen Kontakt zum Neugeborenen haben, bzw. extrem vorsichtig sein, es nicht k√ľssen, H√§nde desinfizieren bevor sie das Baby anfassen etc. Das Risiko f√ľr das Baby sinkt in den folgenden Wochen deutlich, weil sein Immunsystem immer weiter ausreift.

Erstinfektion mit dem Herpesvirus

Typischerweise beginnt eine Erstinfektion mit Herpes mit grippe√§hnlichen Symptomen wie Fieber, M√ľdigkeit, Kopfschmerzen und geschwollenen Lymphknoten. Diese Symptome k√∂nnen oft mit einer herk√∂mmlichen Erk√§ltung oder Grippe verwechselt werden, was die Diagnose erschweren kann. Im Anschluss zu diesen unspezifischen Symptomen kommt es meistens zu einem Kribbeln, Brennen und/oder Jucken an den Lippen oder im Genitalbereich, gefolgt von der Bildung von schmerzhaften Bl√§schen, die mit Fl√ľssigkeit gef√ľllt sind. Diese Bl√§schen k√∂nnen platzen und Krusten bilden, die ohne Narben abheilen.

Leider ist es damit nicht erledigt, sondern das Herpesvirus nistet sich im Zentralnervensystem ein und wartet auf seine nächste Chance. In dem Moment, wo das Immunsystem schwächelt, sei es durch eine Erkältung, durch Stress oder UV-Licht, bricht es immer wieder aus.

Die Sonne bringt das Virus ans Licht!

Sonnenlicht spielt eine wichtige Rolle bei der Ausl√∂sung von Herpesinfektionen. UV-Strahlung kann das Immunsystem schw√§chen und die Aktivierung des Virus beg√ľnstigen, was zu einem Ausbruch von Herpes f√ľhren kann. Dabei muss gar kein Sonnenbrand entstehen, st√§rkere Sonnenexposition f√§hrt das Immunsystem immer vor√ľbergehend herunter und das Virus bricht aus. Gerade Patientinnen, die zu Herpesinfektionen neigen, kann ich nur raten, ab dem Fr√ľhjahr wirklich konsequent Sonnenschutz zu verwenden, um dem Virus keine Chance zu geben.

Behandlung und Vorbeugung von Herpesinfektionen

 

  • Herpescremes und antivirale Tabletten

Zur Behandlung von Herpes stehen verschiedene lokale Cremes, aber auch Tabletten mit antiviralen Wirkstoffen zur Verf√ľgung, um die Symptome zu lindern, die Heilung zu beschleunigen und die Bildung weiterer Bl√§schen zu verhindern. Leider bieten Viren den Medikamenten nicht so viele Angriffspunkte wie zum Beispiel Bakterien, was Virusinfektionen generell viel schwerer behandelbar macht, als die meisten bakteriellen Infektionen.

  • L-Lysin

Ein weiterer Ansatz zur Behandlung und Vorbeugung von Herpes ist die Einnahme von L-Lysin, einer Aminosäure, die dazu beitragen kann, die Vermehrung des Virus zu hemmen. Eigentlich benötigt das Herpesvirus zur Reproduktion eine andere basische Aminosäure, nämlich Arginin. Da das Herpesvirus, sehr vereinfacht beschrieben, aber zwischen den beiden Aminosäuren nicht unterscheiden kann, nimmt es bei einem Überangebot von L-Lysin einfach dieses …und kann sich nicht mehr vermehren. Außerdem verbessert L-Lysin die Immunantwort des Körpers. Manche meiner Patientinnen reagieren sehr gut auf die Gabe von L-Lysin, bei anderen zeigt es wiederum wenig Wirkung. Ausprobieren ist deswegen angesagt.

  • Glutathionstherpie

Bei immer wiederkehrenden, schlecht behandelbaren Herpesinfektionen empfehle ich meinen Patientinnen Glutathioninfusion, um das Immunsystem zu stärken. Glutathion stärkt das Immunsystem und verbessert damit die Abwehr des Virus. Durch die Darreichung als Infusion tritt die Wirkung besonders schnell ein.

  • Impfung gegen G√ľrtelrose

Ich habe bei meinen Patientinnen h√§ufiger feststellen k√∂nnen, dass sich nach einer Impfung gegen G√ľrtelrose auch die H√§ufigkeit von Genitalherpes verringert hat. Das hei√üt die Impfung gegen die G√ľrtelrose (Herpes Zoster) macht das Immunsystem m√∂glicherweise auch gegen andere Herpesarten sch√§rfer. Einen Versuch ist es f√ľr besonders geplagte Personen jedenfalls wert.

 

G√ľrtelrose: Der gef√§hrliche Bruder der Windpocken

Eine weitere Form von Herpes ist die G√ľrtelrose oder Herpes Zoster, die durch das Varizella-Zoster-Virus verursacht wird, das auch f√ľr Windpocken verantwortlich ist. Dh, alle Personen, die schon einmal an Windpocken (=Feuchtblattern, Schafblattern) erkrankt waren, was auf fast 100 Prozent der Bev√∂lkerung zutrifft, k√∂nnen jederzeit auch G√ľrtelrose bekommen. Ein Drittel aller Menschen erkrankt in ihrem Leben an G√ľrtelrose. Obwohl G√ľrtelrose in jedem Lebensalter auftreten kann sind Menschen ab 50, speziell wenn sie unter Vorerkrankungen leiden, besonders gef√§hrdet. Mit jedem weiteren Lebensjahr steigt das Risiko weiter an.

G√ľrtelrose ist eine sehr gef√ľrchtete Krankheit, weil sie einerseits sehr schmerzhaft ist und andererseits bei einem Drittel der Infizierten einen Krankenhausaufenthalt notwendig macht. Au√üerdem k√∂nnen die Nervenschmerzen auch nach der Genesung noch jahrelang anhalten, bei der besonders gef√§hrlichen Form der Gesichtrose k√∂nnen Blind- oder Taubheit zur√ľckbleiben.

Bei dem G√ľrtelrose Impfstoff handelt es sich um einen Tot-Impfstoff, der in zwei Dosen im Abstand von maximal sechs Monaten verbreicht wird. Nach 10 Jahren ist eine Auffrischung notwendig.