Bioidente Hormontherapie – Fakten und Mythen
Viele Patientinnen kommen mit dem Wunsch nach einer bioidenten Hormontherapie zu mir. In Zeiten von Social Media ranken sich viele Fakten, Mythen und Halbwahrheiten um dieses Thema, welche ich in diesem Blogbeitrag adressieren möchte.
Was bedeutet bioident wirklich
Unter bioidenten Hormonen versteht man Wirkstoffe, die chemisch ident zu den körpereigenen Hormonen sind:
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Estradiol – z. B. als Gel oder Pflaster
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Progesteron (mikronisiert) – z. B. als Kapsel zur oralen oder vaginalen Anwendung
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Wichtig: Estrogel® und transdermale Estradiol-Pflaster sind bioident. Sie sind nicht „weniger körpereigen“, nur weil es zugelassene Fertigarzneimittel sind. Genau darin liegt ihr Vorteil: geprüfte Qualität, stabile Dosierung, gute Verträglichkeit.
Leitlinienlage: Was empfiehlt die S3-Leitlinie
Die deutschsprachige S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause empfiehlt – wenn eine Hormontherapie sinnvoll ist – zugelassene, standardisierte Präparate: bevorzugt 17β-Estradiol (z. B. transdermal als Gel/Pflaster) plus mikronisiertes Progesteron.
Individuell in Apotheken hergestellte „compounded“ Hormonmischungen werden nicht empfohlen, da Wirksamkeit, Sicherheit, Dosiergenauigkeit und Qualitätssicherung im Vergleich zu zugelassenen Produkten nicht ausreichend belegt sind. Das deckt sich mit meinem Behandlungsansatz.
Warum ich nicht mit Rimkus-Kapseln arbeite
Rimkus-Kapseln sind individuell hergestellte Rezepturen aus Estradiol und Progesteron, teils mit Vitaminen. Sie sind kein zugelassenes Fertigarzneimittel und durchlaufen daher keine Zulassungsstudien oder Chargen-Freigaben.
Meine Gründe:
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Zur Rimkus-Methode fehlen große, unabhängige Studien mit klaren Aussagen zu Langzeitsicherheit, Standardisierung und Qualität.
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Der Kostenaufwand ist für Patientinnen deutlich höher und wird von gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.
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Mit zugelassenen Präparaten erhalte ich nachvollziehbare Qualität, klare Dosierungen und eine solide Evidenzbasis – das macht Ihre Therapie berechenbar und sicher.
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Individuell dosieren – auch mit zugelassenen Präparaten
Ein Social-Media-Mythos lautet: „Nur individuell hergestellte Kapseln wirken wirklich.“
Das stimmt nicht.
Auch mit zugelassenen Fertigarzneimitteln lässt sich die Dosis sehr fein an Ihre Bedürfnisse, Wünsche und Ihr Befinden anpassen – in etwa über die Menge eines Estradiol-Gels, die Stärke/Wechselfrequenz eines Pflasters sowie die Dosis von mikronisiertem Progesteron.
Entscheidend sind klinische Erfahrung, gute Aufklärung und eine enge Begleitung mit regelmäßigen Kontrollen. Die Entscheidung einer Dosisanpassung erfolgt ärztlich begleitet – gemeinsam arbeiten wir an Ihrem Wohlbefinden.
Fakten & Mythen – kurz erklärt
Mythos: „Bioident = pflanzlich/natürlich, also automatisch risikofrei.“
Fakt: Bioident heißt chemisch ident zum körpereigenen Hormon.
Klarstellung: Die Struktur ist entscheidend – nicht die Herkunft. Auch bioidente Hormone brauchen ärztliche Indikation und Kontrolle.
Mythos: „Nur individuell hergestellte Kapseln sind wirklich bioident.“
Fakt: Estrogel®/Estradiol-Pflaster + mikronisiertes Progesteron sind bioident und zugelassen.
Klarstellung: Zugelassene Präparate sind gleichwertig bioident, zusätzlich qualitätsgeprüft und evidenzbasiert.
Mythos: „Individuell anpassen geht nur mit Rezeptur-Kapseln.“
Fakt: Mit zugelassenen Präparaten ist eine feine, individuelle Dosierung möglich.
Klarstellung: Die Dosisanpassung gelingt zuverlässig auch mit Gel/Pflaster/Kapseln aus dem zugelassenen Sortiment.
Mythos: „Compounded/Rimkus ist leitliniengerecht und besser erforscht.“
Fakt: Leitlinien empfehlen standardisierte, zugelassene HRT-Produkte.
Klarstellung: Die S3-Leitlinie rät von compounded-Mischungen ab, da Evidenz und Qualitätssicherung fehlen.
Mythos: „Rimkus wird wie reguläre HRT von den Krankenkassen übernommen.“
Fakt: Kosten sind bei zugelassenen Präparaten überschaubar; Magistrale Rezepturen sind oft deutlich teurer.
Klarstellung: Gesetzliche Kassen übernehmen Rimkus in der Regel nicht.
So arbeite ich in meiner Praxis
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Anamnese & Ziele – wir sprechen in Ruhe über Beschwerden, Vorgeschichte und Wünsche.
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Therapieplan – Auswahl bioidenter, zugelassener Präparate und Startdosierung passend zu Ihrer Situation.
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Feintuning – Verlaufsgespräch, Labor und individuelle Dosisanpassung: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.
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Ganzheitlich denken: Sexualität, Schlaf, Stress, Bewegung und Ernährung beziehen wir mit ein.
Hormone sind nur ein Teil des Ganzen
Bioidente Hormontherapie kann viel bewirken, ist aber ein Baustein. In meiner Menopausensprechstunde erhalten Sie zusätzlich praxisnahe Strategien: bessere Schlafhygiene, Krafttraining für Stoffwechsel & Knochen, ernährungsmedizinische Tipps und alltagstaugliche Routinen, die langfristig tragen. Oft macht genau diese Kombination den Unterschied.
Mein Fazit
Die Grundidee ist richtig: Beschwerden der Menopause lassen sich mit bioidenten Hormonen sehr gut behandeln. Damit Ihre Therapie wirksam, sicher und transparent bleibt, setze ich auf zugelassene, gut untersuchte Präparate und nicht auf Rimkus-Kapseln.
So kann ich Ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigen, Kosten im Blick behalten und die Behandlung verlässlich begleiten.
Sie wünschen sich eine persönliche, bioidente Hormontherapie?
Ich nehme mir Zeit für Sie. Jetzt Termin vereinbaren.
Wie lange soll ich die Hormontherapie anwenden?
HRT wirkt wie „Blumen gießen“: Eine einmalige Einnahme hilft nicht. Sinnvoll ist eine kontinuierliche Anwendung über mehrere Jahre, solange Nutzen und Wohlbefinden überwiegen. Wir prüfen das regelmäßig gemeinsam.
Ich vertrage ein Präparat nicht – gibt es Alternativen?
Ja. Häufig liegt es an der Darreichungsform oder Trägersubstanz. Es gibt Alternativen als Gel oder Pflaster. Wir finden die Variante, die zu Ihnen passt in der Dosierung, die zu Ihnen passt.
Ich hatte unter der Antibabypille eine Thrombose – ist HRT möglich?
Oft ja, mit transdermalem Estradiol (z. B. Gel oder Pflaster) und sorgfältiger Risikoabwägung. Das VTE-Risiko ist hierbei deutlich niedriger als bei oralen Östrogenen. Eine individuelle Abklärung ist wichtig, darüber spreche ich mit Ihnen in der detaillierten Anamnese.
Ist Hormontherapie für jede Frau geeignet?
Leider nein. Bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs ist HRT in der Regel kontraindiziert. Wir entscheiden individuell nach Anamnese. Bei Beschwerden wie Scheidentrockenheit können lokale Therapien oder Laserbehandlung helfen.
Gibt es Nebenwirkungen?
Die meisten Frauen vertragen die bioidente Hormontherapie sehr gut. Mit bioidenten Hormonen geben Sie Ihrem Körper baugleich das zurück, was er über viele Jahre selbst produziert hat.
Gerade zu Beginn kann es aber zu vorübergehenden, meist milden Beschwerden kommen – sie klingen häufig nach einigen Wochen ab, wenn sich der Körper eingependelt hat.
Macht ein Hormonstatus Sinn, solange ich hormonell verhüte?
Nein. Unter hormoneller Verhütung sind die Werte nicht aussagekräftig. Falls ein Hormonstatus sinnvoll ist, besprechen wir den richtigen Zeitpunkt nach Absetzen.


