Migräne und Verhütung
Viele Frauen mit Migräne sind unsicher, wenn es um die Wahl der passenden Verhütung geht. Besonders häufig wird in der Ordination gefragt:
„Darf ich die Pille überhaupt nehmen – oder erhöht sie mein Schlaganfallrisiko?“
Die Antwort hängt vor allem davon ab, welche Form der Migräne vorliegt.
Migräne mit oder ohne Aura – der entscheidende Unterschied
Migräne ohne Aura
Hier treten die typischen Migränekopfschmerzen auf, meist einseitig und pulsierend. Häufig begleiten Übelkeit, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit die Attacke.
Migräne mit Aura
Bei dieser Form treten neurologische Symptome vor Beginn der Kopfschmerzen auf. Dazu gehören zum Beispiel:
• Sehstörungen
• Flimmern oder Lichtblitze
• Gefühlsstörungen in Armen oder Gesicht
• vorübergehende Sprachprobleme
Bei Migräne mit Aura ist das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall leicht erhöht. Dieses Risiko kann zusätzlich steigen, wenn östrogenhaltige Verhütungsmittel eingenommen werden – besonders dann, wenn weitere Risikofaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck vorliegen.
Welche hormonellen Verhütungsmethoden gibt es?
1. Kombinierte orale Kontrazeptiva (die „klassische Pille“)
Diese Präparate enthalten zwei Hormone:
• ein Östrogen (z. B. Ethinylestradiol oder Estradiol)
• ein Gestagen
Sie gehören zu den am häufigsten verwendeten Verhütungsmitteln. Neben der sicheren Empfängnisverhütung können sie den Zyklus regulieren und Blutungen reduzieren.
Östrogen beeinflusst jedoch die Blutgerinnung leicht.
Bei Migräne mit Aura
Internationale Leitlinien empfehlen kombinierte Pillen in der Regel nicht, da sie das Schlaganfallrisiko zusätzlich erhöhen können.
Bei Migräne ohne Aura
Hier kann eine kombinierte Pille unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein, wenn:
• keine Aura vorliegt
• keine weiteren Gefäßrisikofaktoren bestehen
• nicht geraucht wird
Die Entscheidung sollte immer individuell getroffen werden.
2. Reine Gestagenpille (Minipille)
Die sogenannte Minipille enthält kein Östrogen, sondern nur ein Gestagen, zum Beispiel Desogestrel.
Vorteile:
• kein östrogenbedingtes Schlaganfallrisiko
• häufig auch bei Migräne mit Aura geeignet
• gute Alternative bei Kontraindikation für kombinierte Präparate
Mögliche Nachteile:
• unregelmäßige Blutungen
• je nach Präparat strengere Einnahmezeiten
Für viele Frauen mit Migräne ist diese Form der Verhütung eine gute Option.
3. Hormonspirale
Die Hormonspirale gibt ein Gestagen (Levonorgestrel) direkt in der Gebärmutter ab. Dadurch wirkt das Hormon überwiegend lokal.
Vorteile:
• sehr geringe systemische Hormonbelastung
• kein erhöhtes Schlaganfallrisiko wie bei östrogenhaltiger Pille
• sehr zuverlässige Langzeitverhütung
• häufig schwächere oder ausbleibende Menstruation
Auch bei Migräne mit Aura kann die Hormonspirale häufig eine gute Lösung sein.
➞ Lesen Sie mehr zur Hormonspirale
➞ Lesen Sie mehr zum Ablauf einer Spiraleinlage
4. Hormonfreie Verhütung
Hormonfreie Optionen sind zum Beispiel:
• Kupferspirale
• Kupferkette (GyneFix)
• Kupferball
Diese Methoden enthalten keine Hormone und beeinflussen daher auch das Schlaganfallrisiko nicht.
Gerade bei Migräne mit Aura sind sie oft eine besonders sichere Wahl.
➞ Lesen Sie hier mehr zu hormonfreier Verhütung
Wie hoch ist das Schlaganfallrisiko tatsächlich?
Wichtig ist die richtige Einordnung:
Das absolute Schlaganfallrisiko bei jungen, gesunden Frauen ist insgesamt sehr niedrig.
Das Risiko kann jedoch steigen, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen, zum Beispiel:
• Migräne mit Aura
• Einnahme einer östrogenhaltigen Pille
• Rauchen
• Bluthochdruck
• Gerinnungsstörungen
• starkes Übergewicht
Deshalb erfolgt die Entscheidung für eine Verhütungsmethode immer individuell und nach genauer Abklärung. In meiner Ordination nehme ich mir Zeit, um Sie individuell zu beraten, damit wir gemeinsam eine Verhütungsmethode finden, die wirklich zu Ihnen und Ihren Bedürfnissen passt.
Warum Hormone Migräne beeinflussen können
Migräne ist stark hormonabhängig. Viele Frauen bemerken ihre Attacken besonders kurz vor der Menstruation, wenn der Östrogenspiegel sinkt.
Manche Frauen profitieren deshalb von einer hormonellen Stabilisierung des Zyklus, während andere empfindlicher auf hormonelle Veränderungen reagieren.
Es gibt daher keine Standardlösung, sondern immer eine individuelle Entscheidung.
Mein Beratungsansatz
In meiner Praxis klären wir gemeinsam:
• Liegt eine Migräne mit oder ohne Aura vor?
• Gibt es neurologische Warnzeichen?
• Bestehen weitere Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen?
• Wird eine hormonfreie Methode bevorzugt?
• Steht eine Zykluskontrolle oder Blutungsreduktion im Vordergrund?
Ziel ist eine sichere, langfristig passende und alltagstaugliche Verhütungslösung.
Fazit
Bei Migräne mit Aura sollten östrogenhaltige kombinierte Pillen in der Regel vermieden werden.
Reine Gestagenpräparate, die Hormonspirale oder hormonfreie Methoden stellen meist sichere Alternativen dar.
Mit der richtigen Beratung findet sich für fast jede Frau eine geeignete Verhütungsmethode – individuell abgestimmt auf Migräneform, Risikoprofil und persönliche Bedürfnisse.
Ich freue mich, Sie beraten zu dürfen.
Herzlich,
Ihre Dr. Maria Riedhart-Huter
Welche Verhütung ist bei Migräne besonders sicher?
Für viele Frauen mit Migräne eignen sich besonders:
• Gestagenpille (Minipille)
• Hormonspirale
• Kupferspirale oder Kupferkette
Diese Methoden enthalten kein oder nur sehr wenig systemisches Östrogen und erhöhen das Schlaganfallrisiko nicht.
Erhöht die Hormonspirale das Schlaganfallrisiko?
Nein.
Die Hormonspirale gibt das Hormon überwiegend lokal in der Gebärmutter ab. Die Hormonmenge im Blut ist deutlich geringer als bei der Pille.
Deshalb gilt sie auch bei Migräne häufig als sichere Verhütungsoption.
Kann die Pille Migräne auslösen oder verschlechtern?
Das ist möglich. Migräne wird stark durch Hormonschwankungen beeinflusst.
Manche Frauen bemerken Migräneattacken besonders in der Pillenpause oder kurz vor der Menstruation, wenn der Östrogenspiegel abfällt. Bei anderen verbessert eine hormonelle Stabilisierung die Beschwerden.
Sind hormonfreie Methoden bei Migräne besser?
Hormonfreie Methoden wie Kupferspirale oder Kupferkette beeinflussen das Migräne- oder Schlaganfallrisiko nicht.
Sie sind deshalb besonders bei Migräne mit Aura oder bei zusätzlichen Risikofaktoren eine sehr sichere Wahl.
Kann Migräne in bestimmten Lebensphasen stärker werden?
Ja. Migräne hängt häufig mit hormonellen Schwankungen zusammen. Typische Phasen, in denen sich Migräne verändern kann, sind:
• Pubertät
• Schwangerschaft
• Zeit nach der Geburt
• Perimenopause und Menopause
Auch hormonelle Verhütungsmittel können das Migräneverhalten beeinflussen.


